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Akupunktur

Akupunktur und Qi

Akupunktur ist eine Kunst, die in China vom Lehrer an den Schüler weitergegeben wurde. Sie ist ein Teilgebiet eines ganzheitlichen Medizinsystems, das die Vorstellung einer fließenden Lebenskraft in den Mittelpunkt stellt. Die Störungen der Harmonie dieser Lebenskraft verursachen Gesundheitsstörungen und Krankheiten. Zunächst wird das Wesen dieser Störung der Lebenskräfte, also die Diagnose auf der Ebene der Leitbahnen, den Meridianen und inneren Organen erlernt. Dies ist neben dem minuziösen Einordnen vielfältiger Symptome und Befunde auch ein intuitiver Prozess.

Krankheiten sind nach chinesischer Vorstellung auf eine Störung im Fließen der Lebensenergie Qi zurückzuführen, entweder liegt eine Schwäche oder eine Fülle der Lebenskräfte vor. Auch Blockaden im Lebensstrom können Schmerzen oder andere Krankheiten hervorrufen. Die Nadelung der Akupunkturpunkte hat eine harmonisierende Wirkung, Fülle wird gedämpft, Schwäche angeregt und Blockaden gelöst, so dass ein harmonisches Fließen gefördert wird.

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Symptom und Ganzheit

Die chinesische energetische Akupunktur berücksichtigt im Gegensatz zur im Westen meist üblichen westlich symptomatische „Rezept-Akupunktur“ die energetischen Gegebenheiten der Erkrankungen. Sie beruht auf einer chinesischen Diagnose, die sowohl die Störungsmuster der Patienten auf der oberflächlichen Meridianebene als auch auf der inneren Ebene der Organe, der Wurzel dem Ben berücksichtigt. Bei der chinesischen Diagnose wird auch die energetische Konstitution der Patienten nach dem System der fünf Wandlungsphasen einbezogen.

Gerade bei chronischen Erkrankungen ist diese westlich symptomatische Akupunktur weniger wirksam, da sie die zugrundeliegenden energetischen Störungsmuster, also die chinesische Diagnose nicht berücksichtigt. Diese Form der Akupunkturanwendung führt nicht immer zu dauerhafter Besserung oder zur Heilung.

Aus der chinesischen Diagnose folgen primäre Therapiestrategien, also die therapeutische Absicht und dann das Festlegen von optimalen Punktekombinationen für die Nadelung in den einzelnen Akupunktursitzungen. Die Veränderungen der energetischen Störungsmuster werden kontinuierlich in die Therapieintentionen einbezogen.

Die Akupunktur Sitzung

Während der Akupunktursitzung treten vielfältige Veränderungen im Körper auf. Diese lösen verschiedene Empfindungen und Gefühle aus: Der Einstich der Akupunkturnadeln führt zu einem kurzzeitigen Einstichschmerz, der meist hell und oberflächlich empfunden wird. Nach dem Nadeln der Akupunkturpunkte empfindet man häufig ein Schwere- und Druckgefühl an den Einstichstellen, das von den Chinesen De Qi Gefühl genannt wird. Selten tritt auch ein Gefühl einer leichten Elektrisierung auf. Dieses „Nadelgefühl“ kann unterschiedlich stark empfunden werden.

Nachdem die Nadeln für einige Minuten liegen, entspannt sich der Körper. Arme und Beine fühlen sich oft schwerer an. Es tritt ein Gefühl stärkerer körperlicher Präsenz auf. Häufig beginnt man, die Bewegung der Lebensenergie im Körper in Form eines Gefühls des Fließens wahrzunehmen. Zunächst ist dieses Fließen sehr zart, dann wird es meist langsam, nach einigen Sitzungen immer stärker. Am Anfang fließt es meist im Kopf von der Schädeldecke nach unten in den Hals und in den Brustkorb hinein. Später wird der Fluss auch in dem unteren Teil des Körpers deutlicher. Man verspürt ein Strömen der Lebensenergie vom Kopf über den Brustkorb, Bauchraum, Becken in die Beine und schließlich in die Füße. Während der Akupunktur richtet man die Aufmerksamkeit auf den Atem und beobachtet den Gesamtfluss im Körper.

An der Schädeldecke liegt ein wichtiges Energiezentrum, von den Indern Kronenchakra genannt, das für die Energien im Körper von großer Bedeutung ist. Die Aufmerksamkeit sollte immer wieder zu dieser Stelle zurückkommen, wo man häufig den Beginn des Fließens bemerkt. Immer wieder entspannt man sich während des Liegens der Akupunkturnadeln, indem die Ausatmung betont und verlängert. Man sollte alles fallen lassen und immer wieder alles loslassen.

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Akupunktur und Atmung

Auch eine tiefe ruhige Atmung, in den Brustkorb hinein, mit einer längeren Phase der Ausatmung, bei der man alle Spannung loslässt, kann von entscheidender Bedeutung für den Therapieerfolg sein. Die tiefe Atmung bringt vermehrt Sauerstoff und damit vermehrte Energie in den Körper. Die verlängerte Ausatmung löst Spannungen und führt zu einer Verbesserung des Energieflusses durch den Körper.

Wenn Spannungen sich lösen, können körperliche Empfindungen wie Zittern, Kribbeln, Kälte- oder Hitzegefühle selten auch Schwindel auftreten aber auch Gefühle wie Wut, Unruhe, Traurigkeit oder Angst werden empfunden. Diese Empfindungen und Gefühle sind Ausdruck der Klärung der Spannungen und Blockaden, die oft der Krankheit zugrunde liegen. Gedanken können während der Akupunktur immer wieder aufkommen, man sollte nicht über deren Inhalte nachdenken, sich auch nicht auf bestimmte Gedankeninhalte konzentrieren, sondern die Gedanken wie einen Film vorbeiziehen lassen.

Behandlungkonzept

In der Regel werden zwei Akupunkturbehandlungen in der Woche durchgeführt, in Serien von 10 12 Behandlungen. Dann wird meist eine Pause von 2-3 Wochen eingelegt. Wenn der Therapieverlauf oder die Schwere der Behandlung es erforderlich macht, sind weitere Behandlungsserien erforderlich. 3- 4 Monate nach Abschluss der Erstbehandlung sind zur Auffrischung 2-4 Akupunktursitzungen zu empfehlen, die zur Stabilisierung des Heilerfolges beitragen. Bei erneutem Auftreten der Erkrankung nach Monaten oder Jahren, z.B. bei Migräne, sollte frühzeitig mit einer erneuten Akupunkturbehandlung begonnen werden, die in der Regel deutlich kürzer ist als der erste Behandlungszyklus.

Die privaten Krankenversicherungen übernehmen die Kosten der Akupunktur bei schmerzhaften Erkrankungen.

Literatur

Akupunktur: Grundlagen – Techniken – Anwendungsgebiete Gabriel Stux (1996) Reihe Wissen C. H. Beck Verlag, München ISBN 3-406-41045-6


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